Dilution (Farbverdünnung) und Color Dilution Alopecia (CDA)
Einordnung
Die sogenannte Dilution (Farbverdünnung) ist ein genetisch bedingtes, weit verbreitetes Merkmal beim Hund, das zu einer Aufhellung der Fellfarbe führt. Typische Erscheinungsformen sind „Blau“ (verdünntes Schwarz) oder „Lilac/Isabella“ (verdünntes Braun).
Die Farbverdünnung stellt zunächst eine phänotypische Variante dar und ist nicht per se als Erkrankung zu werten.
In bestimmten Konstellationen kann sie jedoch mit der sogenannten Color Dilution Alopecia (CDA) assoziiert sein, einer Erkrankung des Haarfollikels mit variabler Ausprägung.
Entscheidend ist, dass die genetische Anlage allein keine zuverlässige individuelle Krankheitsvorhersage erlaubt.
Genetische Grundlagen
Die Farbverdünnung wird durch Varianten im Melanophilin-Gen (MLPH) am sogenannten D-Locus verursacht (1)(2).
- D (Wildtyp): normale Pigmentverteilung
- d (Mutation): veränderte Pigmentverteilung durch Aggregation von Melanosomen
Der Erbgang ist autosomal-rezessiv:
- N/N (DD) → normale Pigmentierung
- N/d (Dd) → Träger, klinisch gesund
- d/d (dd) → Farbverdünnung sichtbar
Heterozygote Tiere (Dd) sind klinisch unauffällig und zeigen keine Erkrankung.
Pathophysiologie
Bei einem Teil der Hunde mit dem Genotyp dd kommt es zu einer Störung der Pigmentverteilung im Haar.
Dabei entstehen sogenannte Makromelanosomen, die zu strukturellen Veränderungen führen:
- verminderte Stabilität des Haarschafts
- Schädigung der Haarfollikel
- progressive Atrophie einzelner Follikel
Diese Veränderungen können zur Ausbildung einer Color Dilution Alopecia (CDA) führen (1)(3).
Nicht jeder Hund mit dem Genotyp dd erkrankt.
Klinische Bedeutung
Die klinische Ausprägung der CDA ist variabel und rassespezifisch unterschiedlich (3)(4).
Mögliche Symptome:
- symmetrischer Haarausfall (Alopezie)
- Schuppenbildung
- sekundäre bakterielle Hautinfektionen
- Juckreiz und Hautentzündungen
Die Erkrankung beginnt häufig im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren.
CDA ist nicht heilbar, kann jedoch symptomatisch behandelt werden.
Gleichzeitig bleibt ein Teil der genetisch betroffenen Hunde lebenslang klinisch unauffällig.
Rassespezifische Unterschiede
Die Prävalenz und klinische Bedeutung der Dilution variieren deutlich zwischen den Rassen.
Erhöhtes Risiko für CDA:
- Dobermann (besonders bei blauen Farbschlägen)
- Deutsche Dogge
- Dachshund
- Französische Bulldogge
Geringes oder seltenes Auftreten:
- Weimaraner (Farbe rassetypisch, CDA klinisch kaum relevant)
- Whippet
- Pinscher
Diese Unterschiede sprechen für das Vorliegen zusätzlicher genetischer Modifikatoren.
Bedeutung für die Zucht
Die züchterische Bewertung der Dilution erfordert eine differenzierte Betrachtung.
In der kontrollierten und verantwortungsvollen Rassehundezucht wird das Auftreten gesundheitlich relevanter Farbvarianten berücksichtigt:
- bekannte Risikokonstellationen werden vermieden
- entsprechende Farbschläge sind in vielen Rassen nicht zur Zucht zugelassen
- genetische Vielfalt und Gesundheit werden gemeinsam bewertet
Demgegenüber wird in Teilen der unkontrollierten Zucht gezielt auf seltene Farbvarianten selektiert, ohne die gesundheitlichen Zusammenhänge angemessen zu berücksichtigen.
Die Problematik der CDA ist daher primär ein Thema unkontrollierter Zucht, nicht der organisierten Rassehundezucht.
Rechtliche Bewertung
Nach §11b Tierschutzgesetz ist Zucht dann unzulässig, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass Nachkommen Schmerzen, Leiden oder Schäden erleiden werden.
Für die Dilution ist zu differenzieren:
- Heterozygote Tiere (Dd) sind klinisch gesund
- Nicht alle homozygoten Tiere (dd) entwickeln eine Erkrankung
- Die Ausprägung ist rasseabhängig und variabel
Eine pauschale Bewertung der Farbverdünnung als Qualzuchtmerkmal ist daher nicht gerechtfertigt.
Eine tierschutzrechtliche Relevanz kann sich im Einzelfall ergeben, insbesondere bei Rassen mit nachgewiesen hoher Erkrankungswahrscheinlichkeit.
Eine differenzierte, rassespezifische Bewertung ist erforderlich.
Zusammenfassung
Die Dilution ist eine genetisch bedingte Farbvariante beim Hund, die nicht per se eine Erkrankung darstellt.
In bestimmten genetischen und rassespezifischen Konstellationen kann sie mit der Color Dilution Alopecia assoziiert sein, deren Auftreten und Schweregrad jedoch variabel sind.
Heterozygote Tiere sind klinisch gesund.
Die gesundheitliche Problematik entsteht vor allem dort, wo gezielt und ohne genetische Steuerung auf verdünnte Farbschläge selektiert wird.
Eine wissenschaftlich fundierte Bewertung erfordert daher die Berücksichtigung genetischer, rassespezifischer und züchterischer Zusammenhänge.
Literatur
(1) Drögemüller, C. et al. (2007)
A mutation in MLPH causes dilution of coat color in dogs
(2) Philipp, U. et al. (2005)
Polymorphisms in the canine MLPH gene
(3) Miller, W. H., Griffin, C. E., Campbell, K. L. (2013)
Muller & Kirk’s Small Animal Dermatology
(4) Hnilica, K. A. (2017)
Small Animal Dermatology: A Color Atlas and Therapeutic Guide
