Aktueller Tollwutfall in Rheinland-Pfalz: „legal eingeführt“ – mit gefälschten Papieren
Deutschland gilt seit 2008 als frei von klassischer (terrestrischer) Tollwut bei Wild- und Haustieren.
In den letzten Jahrzehnten wurden jedoch Tollwutfälle in Deutschland dokumentiert bei Hunden, die illegal oder mit unklaren Einfuhr- bzw. Impfstatus-Dokumenten eingeführt wurden:
> 2010: Tollwut bei einem Hund nach illegalem Import aus Bosnien.
> 2013: Tollwut bei einem Welpen aus Marokko.
> 2021: Tollwut bei einem Welpen, der illegal aus der Türkei eingeführt wurde, dies führte u. a. zu mehreren postexpositionellen Impfungen von Tierärzten und Klinikpersonal.
Der aktuell bestätigte Tollwutfall stammt aus Hochdorf-Assenheim (Rheinland-Pfalz). Der Hund verstarb am 25. Januar 2026; die anschließende Untersuchung bestätigte eindeutig Tollwut.
Das Tier war formal legal aus Russland nach Deutschland eingeführt worden. Laut den beigefügten Dokumenten ist das Tier zu diesem Zeitpunkt fast acht Monate alt gewesen. Der Hund war gechipt, gegen Tollwut geimpft und verfügte über einen sogenannten Titer-Nachweis, der einen ausreichenden Impfschutz belegen sollte.
Die Laboruntersuchung ergab jedoch, dass der Hund bei der Einreise tatsächlich jünger war als in den Papieren angegeben. Damit ist der Titer-Nachweis ungültig: Welpen dürfen erst ab einem Alter von zwölf Wochen geimpft werden und frühestens mit 15 Wochen in die EU einreisen. Für die Einreise eines Hundes aus Russland nach Deutschland ist ein Mindestalter von
ca. 7 Monaten erforderlich, da Russland als nicht gelistetes Drittland gilt. Diese Voraussetzungen waren hier nicht erfüllt, die Einfuhr gilt damit rückwirkend als illegal, obwohl sie auf dem Papier korrekt erschien.
Da mit demselben Transport weitere Hunde nach Deutschland gelangt sind, werden diese nun ebenfalls untersucht. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Tiere aus dieser Lieferung auch in andere Bundesländer weitergegeben wurden.
Dieser Fall zeigt besonders deutlich:
Nicht nur offen illegale Transporte stellen ein Risiko dar, auch scheinbar legale Importe mit manipulierten Dokumenten können hochgefährliche Krankheiten einschleppen.
Mehr als Tollwut: Welche Krankheiten über Welpenimporte eingeschleppt werden
Neben Tollwut gehören auch Staupe und Parvovirose zu den regelmäßig über junge Importhunde eingeschleppten Erkrankungen. Beide Viruserkrankungen sind hoch ansteckend, verlaufen bei Welpen häufig tödlich und verursachen immer wieder regionale Ausbrüche, vor allem bei zu jungen, ungeimpften oder immungeschwächten Tieren.
Gemeinsam ist diesen Fällen fast immer:
> falsche Altersangaben
> gefälschte Impfunterlagen
> fehlende oder unwirksame Grundimmunisierung
> Transporte ohne ausreichende veterinärmedizinische Kontrolle
Warum kontrollierte Rassehundezucht Teil der Lösung ist
Der aktuelle Fall macht deutlich: Das Problem ist nicht „der Hund“, sondern das System unkontrollierter Importe.
In der kontrollierten Rassehundezucht sind Herkunft, Alter, Impfstatus und Gesundheitsvorsorge nachvollziehbar dokumentiert. Tiere werden nicht vor Mindestalter abgegeben, Impfungen erfolgen regelgerecht, und es gibt klare Verantwortlichkeiten.
Gleichzeitig gilt: Je stärker legale, kontrollierte Zucht in Deutschland eingeschränkt oder gesellschaftlich diskreditiert wird, desto mehr Nachfrage wandert in intransparente Kanäle ab. Pauschale Verbote oder politische Stimmungsmache gegen verantwortungsvolle Zucht befeuern genau jene Märkte, auf denen mit gefälschten Papieren, zu jungen Welpen und hohem Krankheitsrisiko gehandelt wird.
Das gefährdet nicht nur Hunde, sondern auch Menschen.
