Autor: Stefanie Mahlberg

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    Zwischen Wissenschaft und Deutungshoheit- Wenn Widerspruch zum Bias erklärt wird

    Qualzucht muss bekämpft werden. Darüber besteht kein Streit. Aber wer entscheidet, wann wissenschaftliche Fragen beantwortet sind – und wann abweichende Bewertungen nicht mehr als fachlicher Widerspruch, sondern als „Bias“ gelten?
    Die aktuelle Auseinandersetzung um die Leitlinien zur Tierschutz-Hundeverordnung wirft Fragen auf, die weit über einzelne Hunderassen hinausgehen: über Evidenz und Beweislast, über den Unterschied zwischen genetischem Risiko und Erkrankung, über Ausstellungs- und Zuchtrecht und über den Umgang mit wissenschaftlichem Dissens.
    Mein offener Brief an den Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt).

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    Cyanotoxine – die unterschätzte Gefahr für unsere Hunde

    Cyanotoxine – die unterschätzte Gefahr für unsere Hunde Was Hundehalter über „Blaualgen“ wissen sollten Wer im Sommer oder Spätsommer mit dem Hund an Seen, Teichen oder Flüssen unterwegs ist, kennt die Warnschilder vor „Blaualgen“. Viele Hundehalter haben daraus eine einfache Regel abgeleitet: Grünes, trübes Wasser meiden – dann passiert schon nichts. Diese Regel ist zwar…

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    Vorwort

    Dieser Artikel beschäftigt sich mit CDDY und IVDD beim Teckel, aber er handelt eigentlich von etwas Größerem. Denn die Art, wie diese Debatte derzeit geführt wird, ist selbst ein Lehrstück über wissenschaftliche Redlichkeit, Deutungshoheit und die Frage, wer als glaubwürdig gilt und wer nicht.

    An der Erarbeitung aktueller Leitlinien zur Chondrodystrophie waren anerkannte, etablierte Wissenschaftler beteiligt. Das ist zunächst einmal ein gutes Zeichen: Hier wurde offenbar mit Fachkompetenz gearbeitet. Bemerkenswert ist jedoch, wie mit denjenigen umgegangen wird, deren Ergebnisse oder Einordnungen der öffentlich propagierten, monokausalen Erzählung widersprechen: Ihnen wird nicht auf der Ebene der Daten widersprochen, sondern ihre Kompetenz, Motivation oder Unabhängigkeit wird pauschal infrage gestellt. Wer differenziert oder mit einer prominenten öffentlichen Position nicht übereinstimmt, gilt schnell als befangen, ideologisch oder gar käuflich.

    Diese Strategie ist nicht neu, und sie ist auch nicht auf eine Seite der Debatte beschränkt. Der Vorwurf, „Rassefans“ seien durch kognitive Verzerrung oder emotionale Bindung an „ihre“ Rasse unfähig, die Sachlage objektiv zu beurteilen, mag im Einzelfall zutreffen, er kann aber ebenso gut selbst zum Instrument werden, um unbequeme Evidenz oder abweichende Fachmeinungen zu delegitimieren, ohne sich mit ihnen inhaltlich auseinandersetzen zu müssen. Bias ist keine Einbahnstraße. Wer anderen vorwirft, aus emotionaler oder wirtschaftlicher Nähe zur Sache heraus zu argumentieren, sollte sich derselben Frage stellen: Welche eigene Position, welches eigene Interesse, welche eigene Vorannahme steht hinter der eigenen Einordnung? Eine Kritik an Bias, die selbst nicht reflektiert, disqualifiziert sich nicht automatisch, aber sie verdient dieselbe kritische Prüfung, die sie bei anderen einfordert.

    Der Teckel eignet sich für diese Auseinandersetzung besonders gut: Er ist medial präsent, emotional aufgeladen, und sein Erscheinungsbild lässt sich plakativ auf einen einzelnen Genort reduzieren. Das macht ihn zu einem idealen Fallbeispiel, aber eben auch zu einer Projektionsfläche. Die eigentliche Auseinandersetzung reicht über die Rasse weit hinaus: Es geht um die grundsätzliche Frage, ob und wie die organisierte, rassespezifische Hundezucht in ihrer heutigen Form fortbestehen kann und soll. Wird diese Grundsatzdebatte am Beispiel einer einzelnen, besonders sichtbaren Rasse geführt, ist der Teckel weniger Gegenstand als Stellvertreter – ein Umstand, der die Debatte für jeden Zuchtverein und jede Rasse relevant macht, unabhängig davon, ob CDDY oder FGF4-Retrogene dort überhaupt eine Rolle spielen.

    Genau deshalb lohnt sich der nüchterne Blick auf die Daten, den dieser Artikel versucht – nicht um eine Seite zu bestätigen, sondern um der Versuchung zu widerstehen, eine komplexe, multifaktorielle Erkrankung zum Symbol einer größeren, längst ideologisch geführten Auseinandersetzung zu machen.